Reinhold Gabriel

Prof. Arch. Reinhold Gabriel
1926 in Wien geboren, ist seit 1959 in Klosterneuburg ansässig. Als Architekt und Ziviltechniker hatte er schon immer eine besondere Vorliebe für das Alte, das von vergangenen Zeiten kündet, und wenn man sein Heim in Sankt Martin betritt, ist man sofort umgeben und gefangen von Gegenständen der Vergangenheit, die er im Laufe seines langen Berufslebens auf diversen Baustellen vor dem Müll gerettet hat und die auf charmante Weise die alten Zeiten in seine Welt zaubern. Als Absolvent der Akademie für angewandte Kunst hat er natürlich eine künstlerische Ader und ein zeichnerisches Talent, das er zum Beispiel auch auf seinen zahlreichen Kunstreisen ausgiebig nutzte, indem er zur Dokumentation des Gesehenen Zeichnungen anfertigte, die dann in Mappen - datiert und beschriftet, sowie auch außen künstlerisch gestaltet - als selbstgezeichnete Fotoalben fungieren. Sein künstlerisches Talent und Interesse sowie seine Liebe zur Kunst beschränken sich aber nicht nur auf den darstellenden Bereich, sondern auch auf die Musik: er hatte bei Prof. Moravec am damaligen Konservatorium der Stadt Wien Geige studiert, und noch zum 80sten Geburtstag schenkte ihm seine Familie einen Zehnerblock Gambenstunden zum Stillen seines musikalischen Bildungsdurstes und seiner musikalischen Leidenschaften. Diese pflegt er als Dilettant im besten Sinne des Wortes mit regelmäßigen Hausmusiken, wo er am liebsten die Viola spielt, aber auch überall einspringen kann, je nachdem, was gerade fehlt und gebraucht wird. Die Voraussetzungen zum leidenschaftlichen Sammler alter Musikinstrumente trug Reinhold Gabriel also in sich, die Initialzündung kam aber wohl durch seinen Bruder Wolfgang, der sich für die professionelle Laufbahn eines Musikers und Dirigenten entschieden hatte und in Kontakt mit Josef Mertin, Gustav Leonhardt, René Clemencic und Nikolaus Harnoncourt war, die in den frühen 50iger Jahren begonnen hatten, sich für originale Instrumente der Renaissance- und Barockzeit zu interessieren, um damit Musik zu machen: der Gedanke, die Musik auf den jeweiligen Instrumenten ihrer Zeit zu spielen, um dabei eine authentische Interpretation in möglichst originalem Klang zu erreichen, beflügelte die Geister. Daraus ergab sich eine ganz neue Spielweise und Sicht auf die entsprechende Musik der Zeit. Damit wurde ein radikaler Bruch mit der Tradition (des 19. Jahrhunderts) eingeläutet - die Originalklangbewegung und heute so geschätzte „Historische Aufführungspraxis“ waren die Folge! Das begeisterte auch Reinhold Gabriel bereits in den 1950er Jahren und ließ ihn zum leidenschaftlichen Sammler werden: er pflegte regelmäßigen Kontakt mit diversen Wiener Geigenbauern auf der einen Seite, und hatte andererseits durch seinen Beruf als Architekt, Ziviltechniker und Gutachter Zugang zu alten Gebäuden und Dachböden; er war vielfach involviert in deren Renovierungen und betreute deren Baustellen - beides ideale Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Sammlertätigkeit. Nach gut 50 Jahren hat Reinhold Gabriel eine private Sammlung von beinahe 50 Instrumenten und Bögen zusammengetragen, von denen ca. 30 in einer Ausstellung im Klosterneuburger Stadtmuseum präsentiert wurden, einige von ihnen werden in einer Konzertreihe auch wieder zum Klingen gebracht. Besonders erwähnenswert in dieser Sammlung sind ein komplettes Streichquartett der Wiener Geigenbauer-Dynastie Leidolff und einer der frühen Arpeggione um 1830, der Jahrzehnte als Dauerleihgabe in der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums in Wien zu bewundern war.